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Die Orgel

Das Jahr 2021 steht ganz im Zeichen der Orgel: Sie ist das „Instrument des Jahres“. Höchste Zeit, der Orgel in der ev. Kirche in Haan neuen Glanz zu verleihen. Seit 34 Jahren thront das heutige Instrument über der Eingangsempore. Und genau so lange haben ihr Staub, Heizungsluft und Feuchtigkeit zugesetzt. Eine Generalüberholung ist fällig, damit der gute Klang erhalten bleibt – nicht nur für die Musik in den Gottesdiensten, sondern auch das Haaner Konzertleben. Was die Orgel so besonders macht und wie Sie die Reinigung unterstützen können, erfahren Sie auf den folgenden Seiten. Denn: Zur Finanzierung ist die Kirchengemeinde auf Spenden angewiesen.

3 - 44 - 3000. Die Orgel in Zahlen
Die mechanische Orgel besitzt 3 Manuale, 44 Register (Klangfarben) und rund 3.000 Pfeifen. Von denen sind aber gerade mal 5 Prozent von außen sichtbar, der größte Teil der Orgelpfeifen verbirgt sich in dem massiven Eichenkorpus auf mehreren Etagen.

Am Reformationstag 1987 wurde die Orgel eingeweiht. Sie ist eines von über 30 Instrumenten des norddeutschen Orgelbauers Christian Lobback. Der orientierte sich beim Bau seiner Orgeln zum einem an dem Wissen seiner Vorgänger aus der Barockzeit. Daneben folgte Lobback bei der Konstruktion einem „harmonikalen Klang- und Gestaltungsprinzip“. Das heißt, er konstruierte die Gestalt der Orgel nach Proportionen, die sich auch in musikalischen Harmonien wiederfinden – eine Tradition, die bis in die Antike zurückreicht. Ein weiteres besonderes Merkmal seiner Instrumente sind die Verzierungen des Orgelprospekts mit Lobback-typischen Ornamenten.

 

Breites Spektrum der Orgelmusik

Vom Auftrag bis zum ersten Konzert vergingen rund drei Jahre. Mitte der 80er Jahre entschlossen sich die evangelische Kirchengemeinde und die katholische Pfarrgemeinde St. Chrysanthus und Daria, ihre Orgeln durch neue Instrumente zu ersetzen. Die damaligen Organisten Bernhard Theusen und Gerhardt Tributh waren in die Konzeption der Orgeln eingebunden und achteten darauf, dass die beiden Orgeln unterschiedlich abgestimmt wurden. So konnte bei Konzerten ein breites Spektrum der Orgelmusik optimal abgedeckt werden. Die Orgel in der katholischen Pfarrkirche hat einen französischen Schwerpunkt in der Disposition,  die Lobback- Orgel in der evangelischen Kirche  orientiert sich eher am deutschen Barock.

 

Disposition der Orgel:

Manual I (Positiv)

Manual II (Hauptwerk)

Rohrflöte 8'
Quintade 8'
Prinzipal 4'
Oktave 2'
Sesquialter II 2 2/3'
Quinte 1 1/3'
Scharff IV 1'
Vox humana 8'
Tremulant

Pommer 16'
Prinzipal 8'
Spitzflöte 8'
Gambe 8'
Oktave 4'
Blockflöte 4'
Quinte 2 2/3'
Oktave 2'
Kornett V 8'
Mixtur V 1 1/3'
Zimbel III ½'
Trompete 8'

Manual III (Schwellwerk)

Pedalwerk

Bordun 16'
Prinzipal 8'
Flûte harmonique 8'
Salizional 8'
Schwebung 8'
Prinzipal 4'
Nachthorn 4'
Nasat 2 2/3'
Schwegel 2'
Terz 1 3/5'
Mixtur V 2 2/3'
Fagott 16'
Oboe 8'
Clairon 8'
Tremulant

Prinzipal 16'
Subbaß 16'
Quinte 10 2/3'
Oktave 8'
Gedackt 8'
Choralbaß 4'
Hintersatz IV 2 2/3'
Posaune 16'
Trompete 8'
Zink 4'

Schleifenwindladen, mechanische Tastentraktur (Lagerung der Holzwellen ohne Garnierung), duale Registertraktur, Manual I und II durchschoben
Generalsetzer 64fach, Sequenzer vorwärts und rückwärts
Stimmung: Gleichschwebende Temperatur

Orgelreinigung 2021
Der Startschuss für die Generalüberholung fällt im Herbst. Vier Wochen wird der Abbau und die Reinigung der Pfeifen durch die Orgelbauwerkstatt Karl Schuke aus Berlin dauern. Rechtzeitig zu Beginn der Adventszeit soll die Orgel dann im neuen, alten Glanz strahlen.

Die Kosten für die Generalüberholung mit Ausbau und Reinigung aller Pfeifen belaufen sich auf rund 160.000 Euro. Rund 20.000 Euro sollen durch Spenden und Zuschüsse von Sponsore aufgebracht werden.

Geschichte der Orgel

1801 gibt es die ersten Hinweise auf eine Orgel in der evanglischen Kirche (damals noch am Alten Kirchplatz).

1842 beschließt das Presbyterium die Reparatur oder den Neubau (?) der Orgel durch die Firma Ibach aus Barmen für 455 Thaler.

1863 wird vor dem Abriss der Kirche am Alten Kirchplatz die Orgel ausgelagert und später in der neuen Kirche an der Kaiserstraße wieder eingebaut.

1897 lässt die Gemeinde ein neues Instrument bauen. Im ersten Weltkrieg werden Prospektpfeifen ausgebaut und zu Munition verarbeitet.

1936 wird bei der Firma Walcker ein Orgelneubau in Auftrag gegeben, die 1974 wurde diese noch einmal generalüberholt wird.

1983 wird die evangelische Kirche grundsaniert. Man musste entscheiden, ob die alte Orgel bleibt oder ein neues Instrument angeschafft werden sollte. Allein das Verpacken der bestehenden Orgel zum Schutz vor Baustaub sollte seinerzeit 20.000 DM kosten.

 Seite 29 in „150 Jahre Evangelische Kirche Haan“.

1984 bestellt das Presbyterium eine neue Orgel bei der Firma Lobback in Neuendeich bei Hamburg. Die Orgel kostete seinerzeit 560.000 DM, eine große Anstrengung für die Gemeinde.

Zur Unterstützung der Finanzierung bildet sich der Aktionskreis „Eine neue Orgel für die ev. Kirche“. Initiator war Wolfgang Herfet, der Mann einer Mitsängerin in der Kantorei. Er arbeitete für eine Mineralölfirma in Hamburg und hatte beste Beziehungen – diese nutzte er auch. Er hatte eine Drehorgel organisiert, mit der er viele Jahre bei allen möglichen Gelegenheiten durch Haan zog um Spenden zu sammeln.

Gesammelt wurde mit Verkaufsständen auf dem Haaner Wochenmarkt mit bemalten Ostereiern, gebackenen Lämmchen etc. Damals hatte Ruth Herfet die Idee, Waffeln auf der Haaner Kirmes zu verkaufen. Eine Tradition, die sich bis heute fortgesetzt hat. Es wurde zudem ein Bildband „Haan – alte Geschichten erzählen“ –aufgelegt, der gesamte Erlös kam dem Orgelfonds zugute. Gut 100.000€ hat die Orgelinitiative an Spenden aufgebracht.

1987 wird die neue Orgel am 31. Oktober – am Reformationstag – mit einem Festgottesdienst und einer Festwoche eingeweiht.