Karfreitag mit Teilen von Pergolesis "Stabat Mater"

Wenn eine Mutter den Tod des eigenen Kindes beweinen muss, durchlebt sie die schlimmsten Seelenschmerzen, die Menschen kennen. Diese besonders schwere seelische Verletzung trägt die Menschheit seit ihrem Bestehen im kollektiven Gedächtnis, denn durch Krankheit, Krieg und Unglücksfall kommen Mütter seit Menschengedenken in solche dramatischen Situationen. Die Schwere dieses außergewöhnlichen Traumas und seine relative Häufigkeit mildern einander nicht ab.

Im Unterschied zu den meisten christlichen Erzählungen vom Leben und Sterben Jesu konzentriert sich der Text des Stabat Mater auf das wenig offensichtliche, wenig geräuschvolle Innenleben der Gottesmutter Maria, die ihrem sterbenden Sohn zu Füßen kniet. Diese Sicht setzt an die Stelle nüchterner Information unsere Empathie und tief empfundener Melodik und schroffer harmonischer Spannung gelingt dem Komponisten ein Klanggemälde von besonderer Intensität und Farbigkeit. Langsamkeit, die in Entsetzen und hilfloser Verzweiflung geradezu stehengebliebene Zeit, und bittere, leblose Stille nach dem letzten Atemzug sind Ausdrucksmittel, die das Werk prägen. Während im ersten Teil der Kantate die ausweglose Situation der Mutter Maria beschrieben und mit unserer eigenen Situation in Beziehung gesetzt wird, sucht der zweite Teil nach Wegen in eine Zukunft. Über den Gedanken der Buße bricht ein Strahl der Hoffnung durch den Text in die Musik, der es uns erlaubt, über den Tag des Kreuzes hinaus gen Ostern zu schauen und an ein besseres Leben zu glauben. 

Karfreitag, 19. April, 11 Uhr, Evangelische Kirche

 

Evangelische Gottesdienste in der Karwoche 2019 in der Kirche

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